Aufrufe
vor 2 Jahren

KnapsackSPIEGEL 01-02/2019

  • Text
  • Hanke
  • Bayer
  • Clariant
  • Knapsack
  • Chemiepark
  • Infraserv
  • Feierabendhaus
  • Knapsackspiegel
  • Karneval
  • Loeven
  • Bellejeck
Das Magazin für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Chemieparks Knapsack

„DEBOTTLENECKING-PROJEKT“ GESTARTET InfraServ Knapsack stellt Prozessdampfversorgung langfristig sicher N eben Strom und Wasser zählen weitere Energien im Chemiepark Knapsack zu den wichtigsten Ressourcen – unter anderem in Form von Prozessdampf. Dieser wird ab 2021 zum Großteil durch das parkeigene Ersatzbrennstoffkraftwerk (EBKW) bereitgestellt. Hier werden schon heute pro Jahr ca. 300.000 Tonnen Ersatzbrennstoffe verfeuert, um Dampf zu erzeugen. Während dieser Dampf aktuell vorrangig zur Stromerzeugung genutzt wird, soll er in Zukunft zur Verwendung als Prozessdampf ausgekoppelt und den Standortunternehmen zugeführt werden. Das benachbarte Kraftwerk der RWE Power, das derzeit den Prozessdampf für den Chemiepark beisteuert, wird ab 2021 die Rolle des zuverlässigen Backups übernehmen. Nun erfolgte der Startschuss für die Arbeiten an den im Rahmen dieses sogenannten „Debottlenecking-Projekts“ (zu deutsch: Engpassbeseitigung) notwendigen neuen Rohrleitungen, das die nachhaltige Prozessdampfversorgung des Chemieparks auch in Zukunft sichern soll. CHEMIE UND DAMPF – EINE GEMEINSAME GESCHICHTE Der Industriedienstleister InfraServ GmbH & Co. Knapsack KG ist als Betreiber des Chemieparks unter anderem Herr über das Dampf-, Wasser- und Stromnetz im Chemiepark. Sie versorgt die Standortunternehmen mit diesen wichtigen Ressourcen und trägt die Verantwortung für deren unterbrechungsfreie Verfügbarkeit. Schon zur Gründungszeit des Standortes im Jahr 1907 spielte die Nähe zu Rohstoffen eine zentrale Rolle. „Siedeln sich Chemieparks aus logistischen und produktionsbedingten Gründen meist an Flüssen an, stellte sich die Situation auf dem Knapsacker Hügel anders dar: Hier ist die Chemie zur Energie gegangen“, so Jakob Lorenz, Gesamtprojektleiter „Debottlenecking“ bei InfraServ Knapsack. „Schon damals gab es hier Kraftwerke, die Braunkohle in Energie umwandelten. Und Chemie braucht nun einmal Wärme.“ DAMPF – AKTIVIERUNGSENERGIE FÜR CHEMISCHE PROZESSE Ein solches Kraftwerk gibt es in direkter Nachbarschaft zum Chemiepark heute noch und es versorgt diesen mit Prozessdampf. Betreiber ist das Energieunternehmen RWE Power. Die größten Abnehmer für den dort erzeugten Dampf sind unter anderem die Stadt Hürth als Betreiber des stadteigenen Fernwärmenetzes und die InfraServ Knapsack, die den Dampf über ein viele Kilometer langes Rohrleitungsnetz zu den Standortfirmen im Chemiepark transportiert. Für diese ist Prozessdampf eine wichtige Energie für die Herstellung chemischer Produkte. Je nach Produktion werden derzeit zwischen 50 und 120 Tonnen Dampf pro Stunde benötigt. Er wird hauptsächlich für endotherme Prozesse eingesetzt – also Reaktionen, bei denen Energie zugeführt werden muss. „Diese Wärmeenergie mittels Feuer oder Strom beizubringen, ist im Umgang mit chemischen Substanzen keine gute Idee“, so Lorenz. „Erwärmung mittels Dampf ist hingegen eine sehr sichere Art und Weise, diese Substanzen zu erhitzen.“ Prozessdampf aus dem EBKW – wie funktioniert das? Um Prozessdampf zu erzeugen wird vollentsalztes Wasser – sogenanntes VE-Wasser – so lange erhitzt, bis es seinen Aggregatzustand von flüssig zu gasförmig wechselt. Der so entstandene Dampf wird anschließend noch weiter erhitzt. Die für diesen Prozess benötigte Wärmeenergie wird im EBKW durch die Verbrennung von speziell aufbereiteten Gewerbeund Industrieabfällen gewonnen. Der so entstandene Prozessdampf kann ausgekoppelt und über Rohrleitungen den Standortunternehmen zugeführt werden. Alternativ kann er zu Strom umgewandelt werden. Dazu wird er über eine Turbine geleitet, die an einen Generator angeschlossen ist. 16 | KNAPSACKSPIEGEL 02.2019

„GRÜNER DAMPF“ AUS DEM EBKW Um die Versorgung mit Energie langfristig unterbrechungsfrei und wirtschaftlich sichern zu können, zog InfraServ Knapsack zu Beginn des neuen Jahrtausends alternative Versorgungsmöglichkeiten in Betracht. Denn es kündigten sich Veränderungen auf dem hart umkämpften Energiemarkt an. Aus diesen Überlegungen heraus errichtete InfraServ Knapsack gemeinsam mit E.ON Energy from Waste (EEW) das EBKW, das 2009 den Regelbetrieb aufnahm und bis heute hauptsächlich Strom für den Chemiepark produziert. Für den Betrieb der Anlage gründeten sie die EBS Kraftwerk GmbH. Nun erfolgt zum 1. Januar 2021 die Umstellung des EBKW von primärer Stromerzeugung auf vorrangige Prozessdampfauskopplung. RWE Power wird ab diesem Zeitpunkt die Spitzenlastabdeckung und Besicherung übernehmen und seine Lieferung im Regelfall auf einen Teilstrom von rund 10t/h zur Bereithaltung der Leitung reduzieren. „So hat man zukünftig zwei Prozessdampf-Versorger. Wenn eine Quelle aufgrund von Wartungsarbeiten oder Störungen ausfällt, kann die andere einspringen. So können wir die unterbrechungsfreie Versorgung der Unternehmen mit Prozessdampf noch weiter sichern“, erläutert Lorenz. DEBOTTLENECKING: EINBINDEARBEITEN BEGINNEN Zum neuen Jahr sind nun die Vorbereitungen für das „Debottlenecking“ gestartet. Bis Ende Mai 2019 wird die erste Phase der sogenannten Einbindearbeiten umgesetzt sein. Hierbei werden die Wasserleitungen, die in das EBKW führen, sowie die Rohrleitungen, die den Dampf aus dem EBKW ins Netz der InfraServ Knapsack leiten, erweitert. „Parallel entwickeln wir ein Regelungskonzept für den optimalen Informationsaustausch zwischen dem EBKW, RWE Power und uns“, erläutert Jakob Lorenz und ergänzt: „Schon in der Planungsphase hat sich gezeigt: Hier ziehen alle beteiligten Unternehmen an einem Strang, wenn es darum geht, die Attraktivität des Standorts langfristig zu sichern.“ BAUEN OHNE ÜBERRASCHUNGEN Digitale Lösung für mehr Sicherheit: Der neue Prozess „Schachterlaubnis“ F rüher waren wir gut und sicher, heute sind wir ein Stück besser und sicherer. Und daran wollen und müssen wir weiter arbeiten.“ Ganz in diesem Sinne war auch die Optimierung des Schachtfreigabeprozesses und damit der Sicherheitsrichtlinie 7 „Schachterlaubnis“ ein maßgeblicher, sinnvoller Schritt. Ganz sicher. Für mehr Arbeitssicherheit, zum Schutz der unterirdischen Systeme bei Tiefbauarbeiten, zur Einsparung von Kosten durch genaue Plandaten – das waren und sind drei gute Gründe, die vorhandenen Abläufe zu verbessern und zu digitalisieren. Wann immer im Chemiepark gebaut wird, muss vor Beginn der Tiefbauarbeiten gemäß der Sicherheitsrichtlinie 7 eine Schachterlaubnis eingeholt werden. Über 20 Jahre funktionierte das ohne eine saubere Prozessbeschreibung. Im Bewusstsein des Gefahrenpotentials, das darin liegt, bildete man im Oktober 2015 bei der Infraserv Knapsack eine Projektgruppe um Robert Hemmersbach, heute Zentrales Planmanagement VuE Netze, und Andreas Wunsch, Steuerung Bauausführung. Erste Aufgaben waren die Analyse des Ist-Zustandes, das Sammeln von Daten und die Beschreibung der Zielsetzung, nämlich den Prozess zu digitalisieren, zu systematisieren und zu zentralisieren. Dazu zählte auch die Schaffung eines zentralen Planmanagements, die Benennung fester Ansprechpartner für einzelne Bereiche und eine transparente und nachvollziehbare Dokumentation der Schachtfreigaben. Unverzichtbare Unterstützung leisteten die Kollegen aus der IT, die das Handwerkszeug lieferten, um die Ziele umzusetzen. Seit Mai/ Juni diesen Jahres wird der Antrag auf Schachterlaubnis online erstellt. Eine Share-Point-Lösung sorgt für Systematik und Transparenz. Die jeweilige Schachterlaubnis wird unter eigener, fortlaufender Nummer geführt, alle Beteiligten arbeiten in denselben Vorgang hinein, eine Verknüpfung zum Archivierungssystem ist gegeben. Mit der örtlichen Freigabe wird ein Baustellenschild ausgehängt, das unter anderem wichtige Ansprechpartner nennt. Zukünftig soll ein Flyer die ausführenden Firmen über relevante Punkte in Sachen Arbeitsschutz aufklären, quasi als nochmalige Absicherung, dass gemäß den Vorgaben der ISK gearbeitet wird. „Tiefbau heißt manchmal auch, alte Strukturen aufbrechen“, lacht Andreas Wunsch. „Um bis hierher zu kommen, mussten alle Beteiligten sehr viel Zeit investieren und Ressourcen für das Projekt generieren. Wir haben abteilungsübergreifend zusammengearbeitet und das sehr gut!“ Robert Hemmersbach ergänzt: „Inzwischen sind auch anfängliche Skeptiker überzeugt, dass diese Form des Schachtfreigabeprozesses eine wertvolle Sache ist. Für die Zukunft hoffen wir, mit Unterstützung der Unternehmen am Standort eine hundertprozentige Dokumentation aller Kabel, Rohre und Kanäle im Untergrund zu erreichen. Für die Sicherheit und den wirtschaftlichen Erfolg aller hier im Chemiepark Knapsack.“ KNAPSACKSPIEGEL 02.2019 | 17

KnapsackSPIEGEL

Copyright 2016 Chemiepark Knapsack – Impressum