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KnapsackSPIEGEL 01-02/2019

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Das Magazin für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Chemieparks Knapsack

KARNEVAL FEUCHT &

KARNEVAL FEUCHT & FRÖHLICH FEIERN – ABER BITTE MIT VERSTAND! A lkohol – so manch einem wird er schon (vermeintlich) als „Sanitäter in der Not“ behilflich gewesen sein, und in der Medizin werden mögliche positive Effekte bestimmter Getränke immer wieder diskutiert … und wieder verworfen. All dies vermag nicht über die immensen gesundheitlichen und volkswirtschaftlichen Auswirkungen des Alkoholkonsums hinwegzutäuschen. In Deutschland liegt der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch von reinem Äthylalkohol bei 10,7 Litern je Einwohner, es sterben jährlich 74.000 Menschen an den Folgen des Alkoholmissbrauchs, die volkswirtschaftlichen Kosten infolge alkoholbedingter Erkrankungen liegen bei rund 40 Mrd. Euro im Jahr, knapp 1,8 Mio. Deutsche sind alkoholabhängig … (Daten der DHS). Eine tragische Entwicklung ist, dass immer mehr Kinder und Jugendliche mit einer akuten Alkoholintoxikation stationär behandelt werden müssen – Stichwort „Komasaufen“. Dabei ist die Abgabe alkoholischer Getränke an Personen unter 16 Jahren gesetzlich verboten! ALKOHOL & DIE FOLGEN Im Karneval – und nicht nur dann – werden die akut-toxischen Wirkungen alkoholischer Getränke bewusst herbeigeführt, um im närrischen Treiben besser „mitmischen“ zu können. Angestrebt wird also das erste Stadium der Alkoholvergiftung, das sogenannte „Exzitationsstadium“ (bis 2 ‰) mit zunehmender Enthemmung, die sich schon ab 0,2 ‰ bemerkbar macht. Bereits hier treten weitere Funktionsstörungen des zentralen Nervensystems auf: verlängerte Reaktionszeit, Gleich- Fotos: liveostockimages & Kzenon – Fotolia.com 24 | KNAPSACKSPIEGEL 02.2019

Illustration: munandme – Fotolia.com Zunehmende Enthemmung zeigt sich schon bei 0,2‰ gewichtsstörungen, Gesichtsfeldeinschränkungen. Bei weiter steigendem Blutalkohol-Spiegel kommt es dann über verschiedene Stadien hinweg bis zum Koma, Schock und Tod (über 4 ‰). Dabei sind Alkohol-Auswirkungen und tödliche Dosis von verschiedenen personenbezogenen Faktoren abhängig, u. a. auch von einer gleichzeitigen Medikamenteneinnahme. Kritisch ist auch das Zusammentreffen zwischen einer kalten Winternacht und einem alkoholisierten Organismus: Durch die Weitstellung peripherer Blutgefäße und ein herabgesetztes Kälteempfinden kann es zur kritischen (u. U. tödlichen) Unterkühlung kommen, ohne dass der/die Betroffene dies bemerkt. Schlimmstenfalls endet man also erfroren auf einer Parkbank. Das erhöhte Risiko, den „Lappen“ zu verlieren, dürfte jedem Autofahrer bekannt sein: Im deutschen Verkehrsrecht gilt das Fahren ab 0,5 ‰ als Ordnungswidrigkeit; eine relative Fahruntüchtigkeit mit eventuellen rechtlichen Konsequenzen liegt aber bereits ab 0,3 ‰ vor. Für Fahranfänger gilt die 0,0-Promille-Grenze! Gemessen wird zunächst die Atem-, dann ggf. die Blutalkoholkonzentration, die sich übrigens auch vorausberechnen lässt (wenn auch etwas aufwändig mit der Widmark-Formel). So mancher Autofahrer meint, sich mit der durchschnittlichen Abbaugeschwindigkeit von 0,1 ‰ in der Stunde behelfen zu können – ein etwas wagemutiges Verfahren: Der „Restalkohol“ am nächsten Morgen ist meist höher als geschätzt! Dementsprechend besteht ein erhöhtes Unfallrisiko im Straßenverkehr und am Arbeitsplatz. Hier noch ein kleiner „Ausflug“ in die Physiologie und Toxikologie des Alkohols: Ethanol wird im gesamten Verdauungstrakt (teilweise schon über die Mundschleimhaut) aufgenommen und größtenteils in der Leber abgebaut. Dabei ist u.a. ein Zwischenprodukt für den „Kater“ am nächsten Morgen mit Kopfschmerzen, Unwohlsein, Übelkeit und Erbrechen verantwortlich. Potenziell toxisch wirkt Alkohol auf zahlreiche Gewebe und Funktionen des menschlichen Körpers: insbesondere auf Nervensystem, Leberzellen, Bauchspeicheldrüse, Magen-Darm-Schleimhaut, Herz, Stoffwechsel, Muskeln, Blutbildung, Sexualität und ungeborenes Leben. Besonders bei der Alkoholkrankheit mit psychischer und körperlicher Abhängigkeit werden daher zahlreiche Organsysteme dauerhaft und schwer geschädigt. Wirkung und Abbaugeschwindigkeit sind auch vom Geschlecht abhängig, wobei hier der Mann im „Vorteil“ ist. Ein weiterer Aspekt ist der hohe Kaloriengehalt alkoholischer Getränke mit Auswirkungen auf den Blutzuckerspiegel und (bei regelmäßigem Konsum) das Körpergewicht. HIER NUN DIE EMPFEHLUNGEN DES WERKSARZTES FÜR DIE „TOLLEN TAGE“: • Verzichten Sie auf den Konsum größerer Alkoholmengen • Trinken Sie ausreichend Wasser – ansonsten droht Flüssigkeitsmangel durch eine verstärkte Urinproduktion • Nehmen Sie vor dem Alkoholkonsum ausreichend feste Nahrung zu sich – Fett verlangsamt die Alkoholaufnahme im Magen-Darm-Trakt • Verzichten Sie auf „Hochprozentiges“ sowie auf stark zuckerhaltige alkoholische Getränke – sonst beschleunigte Alkoholaufnahme! • Und lassen Sie bei geplantem oder erfolgtem Alkoholkonsum grundsätzlich Ihr Auto stehen! • Auch am Arbeitsplatz haben Sie (rest-)alkoholisiert nichts verloren! Sollten Sie bei sich selbst einen problematischen Umgang mit Alkohol feststellen, können Sie sich gerne vertrauensvoll an Ihre werksärztliche Abteilung wenden. Dr. med. Matthias Fischer 2‰ Das erste Stadium der Alkoholvergiftung, das sogenannte Exzitationsstadium KNAPSACKSPIEGEL 02.2019 | 25

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