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KnapsackSPIEGEL 01-02/2020

Das Magazin für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Chemieparks Knapsack

Hermann Hermes und Heinz

Hermann Hermes und Heinz Görgens erinnern sich sehr gerne an ihre Zeit als Gesellenwanderer KNAPSACKER GESELLENWANDERUNG ANNO 1955 „Op d’r Chemische“ lebte 1955 eine alte Tradition auf D ie Tradition der Gesellenwanderung entstand vor vielen Jahrhunderten und lebte bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland. Meist war die Gesellenwanderung auf mindestens zwei Jahre ausgelegt und war Voraussetzung für die Erlangung eines Meisterbriefes. Mitte des 20. Jahrhunderts, genauer gesagt 1955, erlebte diese Tradition zumindest in Knapsack eine Renaissance. Der damalige Sozialdirektor der Knapsack-Griesheim AG, Dr. Trimborn, führte diesen Brauch in etwas abgewandelter Form nach Absprache mit anderen Unternehmen wieder ein. Die Pioniere dieser neuen Form der Gesellenwanderung in Knapsack waren die damals 18-jährigen, frisch ausgebildeten Schlosser Heinz Görgens, Hermann Hermes und Josef Oepen. Direkt nach dem Ausbildungsabschluss wurden sie gefragt, ob sie sich an dem Projekt, wie man es heute nennen würde, beteiligen wollen. Eckpunkte waren: arbeiten bei drei Unternehmen, jeweils für acht Monate. Für alle drei war klar, dass das die Chance war, eine neue Erfahrung zu machen. Von Görgens und Hermes haben wir uns die ganze Geschichte erzählen lassen. DIE REISE INS UNGEWISSE „Ich habe nicht lange überlegt und direkt zugesagt“, erinnert sich Görgens. Ähnlich erging es Hermes. Erstaunlich, wenn man bedenkt, dass beide noch nie von Zuhause weg waren und nun zwei Jahre die Hürther Heimat gegen fremde Orte, Menschen und Unternehmen tauschten. Die Reise ‚ins Ungewisse‘ begann dann am 1. Mai 1955. Erstes von drei Zielen war die Wacker Chemie in Burghausen an der deutsch-österreichischen Grenze. Würde man heute mit dem Zug und Koffern im Gepäck reisen, so war Voraussetzung für dieses Projekt, dass man die Strecke mit dem Fahrrad zurücklegen musste. Immerhin ca. 700 km. 18 | KNAPSACKSPIEGEL 02.2020

„Ich habe nicht lange überlegt und direkt zugesagt“ Heinz Görgens Eine Zeitvorgabe gab es auch: länger als sechs Tage sollte die Anreise nicht dauern und mit dem Jugendherbergsausweis war zu belegen, dass die Stationen angefahren wurden. Mit einem Rucksack und viel Elan und Spaß machten sich die Jungs auf den Weg in den Süden. Ganz auf sich selbst gestellt meisterten sie die Tour in der vorgegebenen Zeit. Einzige Vorausplanung vonseiten der Knapsack-Griesheim AG war die Abstimmung mit den Partner-Unternehmen. Hier fanden die Wandergesellen Unterkunft bei unterschiedlichen Familien von Werksangehörigen. Eine Einbindung in das Familienleben war „unumgänglich“. So stand beispielsweise für Hermes der sonntägliche Kirchgang auf dem Pflichtprogramm und ein spätes Nachhausekommen wurde kritisch beäugt. Beide wurden in Burgkirchen nach dem damaligen Tarif bezahlt: 1,04 DM pro Stunde. Das tat weh, immerhin verdienten Hermes und Görgens in Knapsack 3 DM pro Stunde. Für Frühstück und Logis musste jeder bei seiner Gastfamilie täglich 1 DM zahlen. Kurz vor der Abfahrt nach Oberbayern: Hermann Hermes, Heinz Görgens und Josef Oepen (v. l.) In dieser Villa wohnten die Gesellen in Hamburg. ANDERE ORTE, ANDERE GEBRÄUCHE Wenn auch die Bezahlung vergleichsweise schlecht war, so machte das Arbeiten dort den beiden sehr viel Spaß. „Wir haben sehr viel gelernt, zumal wir auch alle zwei bis drei Monate den Bereich gewechselt haben. Einziges Handicap war die Sprache. Wie oft habe ich nur „Ja, Ja“ gesagt, obwohl ich nicht wirklich verstanden habe, was mir der bayrische „Altgeselle“ gesagt hat“, erinnert sich Görgens mit einem Schmunzeln. Unvorstellbar für Knapsacker-Verhältnisse auch die Tatsache, dass die Brotzeit, neben trockenem Brot und Speck, aus einer (oder zwei, drei) Flasche Leichtbier bestand. Und dass es in den Monaten von Mai bis Ende August in der Mittagszeit immer ein Blaskonzert der Werkskapelle vor der Werkskantine gab … Nach acht Monaten in der südlichen Fremde und ohne Urlaub war die nächste Station (ebenfalls mit dem Fahrrad) im direkten Anschluss die Firma R&G Schmöle in Menden. Hier wurden unter anderem Kupferrohre und Armaturen für die Zahntechnik hergestellt. Hier wohnten die Knapsacker nicht bei Familien, sondern in einem evangelische Jungmännerwohnheim und waren auf sich selbst gestellt. Illustration / Foto: Erta / Composer – Adobe Stock KNAPSACKSPIEGEL 02.2020 | 19

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