Aufrufe
vor 1 Jahr

KnapsackSPIEGEL 03-04/2019

  • Text
  • Nachbarschaftsdialog
  • Akademie
  • Urlaub
  • Nrw
  • Pensionaere
  • Knapsack
  • Clariant
  • Azubis
  • Ausbildung
  • Lossprechung
  • Karneval
  • Veranstaltung
  • Sicherheit
  • Standort
  • Infraserv
  • Mitarbeiter
  • Knapsackspiegel
  • Chemiepark
  • Knapsack
Das Magazin für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Chemieparks Knapsack

„WIR MÜSSEN DEM

„WIR MÜSSEN DEM UNFALLTOD BEGEGNEN, IHR MÜSST DAS NICHT!“ Mit realen Geschichten aus dem Leben von Polizisten, Feuerwehrleuten und Notfallseelsorgern wurden rund 100 Jugendliche beim „Crash Kurs NRW“ im Feierabendhaus Knapsack für ein verantwortungsbewusstes Verhalten im Straßenverkehr sensibilisiert. E s ist der 31. Januar 2019, circa 10:45 Uhr. Vorm schneebedeckten Feierabendhaus ist ungewöhnlich viel los für einen Donnerstagvormittag. Rund 100 Jugendliche haben sich hier versammelt, tauschen sich aus und warten darauf, dass es losgeht. Der Grund für ihr Kommen: Der Crash Kurs NRW, eine Veranstaltung von der Polizei NRW, die nunmehr zum siebten Mal in Kooperation mit der Rhein-Erft-Akademie im Chemiepark Knapsack stattfindet. „Ich bin gespannt, was uns heute erwartet. Ich glaube, dass es sicherlich Momente geben wird, die mich wachrütteln werden“, erklärt Jannis König, ISK-Azubi im ersten Lehrjahr zum Industriemechaniker. Damit trifft der 21-Jährige den Nagel auf den Kopf, denn der „Crash Kurs NRW – Realität erfahren. Echt hart“ soll genau das erreichen: die Jugendlichen für die häufigsten Unfallursachen im Straßenverkehr sensibilisieren und sie dazu zu bringen, verantwortungsvoll mit ihrem Leben und dem der anderen Verkehrsteilnehmer umzugehen. „Wir arbeiten präventiv und wollen den Jugendlichen mit realen, erlebten Geschichten von Vertretern der Feuerwehr, Polizei und Notfallseelsorge vermitteln, dass es eben nicht cool ist, sich ablenken zu lassen oder alkoholisiert Auto zu fahren“, erklärt Polizeihauptkommissar Erhard Linhart, Verkehrssicherheitsberater im Rhein-Erft- Kreis und Mitorganisator der Veranstaltung. Seit vielen Jahren ermöglicht Dirk Borkenhagen (Ausbildungsleiter der InfraServ Knapsack und selber Vater zweier Illustration: pattilabelle –Fotolia.com 18 | KNAPSACKSPIEGEL 04.2019

Fahranfänger) aus tiefster Überzeugung den 30 Azubis aus dem ersten Ausbildungsjahr die Teilnahme an diesem Seminar. „Es ist eine sehr wichtige und passgenaue Ergänzung zu unserem verhaltensorientierten Arbeitsschutz, mal weit weg von Gesetzen und Regeln. Ich bin mir sicher, dass diese Initiative Menschenleben gerettet hat oder noch retten wird! Es freut mich sehr, dass wir durch die Organisation der Rhein-Erft-Akademie und die Macher des Crash Kurses diese Veranstaltung unseren Azubis vor Ort anbieten können.“ ANTEIL JUGENDLICHER BEI VERKEHRSUNFÄLLEN ÜBERPROPORTIONAL HOCH Als sich um kurz vor elf die Türen des Rhein-Erft-Saals im Feierabendhaus öffnen und die Jugendlichen sich ihre Plätze suchen, wird noch gelacht und rumgewitzelt. Doch ab dem Zeitpunkt, wo Polizeihauptkommissarin Claudia Farber vor sie tritt, ist es mit einem Mal ganz still. „In Nordrhein-Westphalen sterben jährlich über 600 Menschen bei Verkehrsunfällen. Und eure Altersklasse ist dabei überproportional häufig betroffen“, eröffnet sie die Veranstaltung und startet einen Film mit Szenen von Unfällen, an denen Jugendliche aus dem Rhein-Erft-Kreis beteiligt waren. Momente, die die anwesenden Referenten hautnah miterlebt haben und über die sie anschaulich und ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen, berichten: „DAS SCHLIMMSTE WAR, DASS WIR NICHTS TUN KONNTEN“ Hauptbrandmeister Markus Wolf erzählt zum Beispiel von dem Unfall eines jungen Motorradfahrers, der nach einem heftigen Streit seiner Freundin hinterherfuhr. Weil er sie einholen wollte, war er mit überhöhter Geschwindigkeit unterwegs, verlor bei einem Überholversuch die Kontrolle über seine Maschine, schlug mit dem Kopf gegen ein Straßenschild und starb nach einem erfolglosen Reanimationsversuch in den Armen seiner Freundin. Ein weiterer Unfall ereignete sich, als ein junger Mann, gerade 19 Jahre alt, bei 140 km/h auf einer Landstraße plötzlich die Kontrolle über seinen Wagen verlor, sich überschlug, in den Gegenverkehr geschleudert wurde und mit einem Auto, in dem sich eine 4-köpfige Familie befand, zusammenprallte. „Als ich am Unfallort ankam, sah ich als erstes einen Kindersitz. Darin saß ein kleines Mädchen. Bewegungslos“, schildert Notfallsanitäter René Bongardt sichtlich bewegt. Sowohl der Fahrer als auch die beiden Kinder der Familie sind durch diesen Unfall ums Leben gekommen. Bedrückend war auch der Bericht von Polizeihauptkommissarin Moni Zygmann: Zwei junge Männer, 20 und 24 Jahre alt, waren am Aschermittwoch mit einem anderen Wagen zusammengestoßen, abgelenkt durch das Handy. Einer von ihnen war nicht angeschnallt und starb noch am Unfallort. „Das Schlimmste war, dass wir nichts tun konnten“, erklärt Zygmann. NIEMAND ÜBERBRINGT GERNE TODESNACHRICHTEN Auch das Übermitteln der Todesnachricht und mit den Reaktionen der Angehörigen umzugehen, fordert die Polizei-, Rettungs- und Notfallkräfte immer wieder heraus. „Eine Geschichte beginnt immer viel früher als der Unfall und sie setzt sich darüber hinaus fort“, schildert Diakon Gregor Hergarten, Notfallseelsorger im Rhein-Erft-Kreis. Ihm ging besonders eine Geschichte nahe: Ein 17-Jähriger, eigentlich sehr vernünftiger Junge, der nach einer schwierigen Phase endlich wieder auf einem guten Weg war, schnappte sich, leicht alkoholisiert, nach einer Familienfeier das Auto seines Onkels, obwohl er keinen Führerschein hatte. Er dachte, er schaffe das schon. Doch dann prallte er mit hoher Geschwindigkeit gegen einen Baum und war sofort tot. Ebenso wie die Unfallszenen kamen auch die eigenen Emotionen und Gedanken, die Hilflosigkeit und die vielen Fragen, die sich die Einsatzkräfte am Unfallort und danach stellten zur Sprache: Wie ist der Moment, wenn man merkt, dass man nichts mehr machen kann? Wie fühlt es sich an, Eltern zu berichten, dass ihr Sohn beim Unfall ums Leben gekommen ist und wie leistet man den Hinterbliebenen Beistand? „TRÄUME SIND DER MOTOR DES LEBENS“ „Jeder von euch denkt: mir passiert das nicht, aber genau so ging es den Jugendlichen hier auch“, fasst Claudia Farber zusammen und fährt fort: „Wir von der Polizei, der Feuerwehr oder als Notfallseelsorger müssen dem Unfalltod begegnen. Ihr müsst das nicht.“ Um zu verdeutlichen, wie schnell alles vorbei sein kann, lässt Farber am Ende der Veranstaltung einen dicken blauen Ballon platzen, auf dem gelbe Zettelchen mit Träumen und Wünschen der Jugendlichen kleben. Sie beendet den Crash Kurs NRW mit den Worten „Träume sind der Motor des Lebens. Sollen sich eure Träume erfüllen, oder zerplatzen wie dieser Ballon? Ihr habt es in der Hand.“ Die Message ist angekommen: „Eigentlich müsste es sowas in jeder Fahrschule geben“, erklärt Azubi Jannis König und fährt fort, „ich nehme auf jeden Fall mit, dass ich mich nicht mehr so leicht beim Fahren ablenken lassen, weder von meinen Freunden noch von meinem Handy.“ Die Hauptursachen … … bei Verkehrsunfällen mit Todesfolge (im Jugendalter): • Überhöhte Geschwindigkeit • Ablenkung durch Beifahrer, das Handy oder zu laute Musik • Alkohol am Steuer • Fahren ohne Sicherheitsgurt • Streit, der zu emotionalem Verhalten und aggressivem Fahren führt KNAPSACKSPIEGEL 04.2019 | 19

KnapsackSPIEGEL

Copyright 2016 Chemiepark Knapsack – Impressum