Aufrufe
vor 7 Monaten

KnapsackSPIEGEL 03-04/2020

  • Text
  • Knapsack
  • Eew
  • Basf
  • Lyondellbasell
  • Cabb
  • Vinnolit
  • Bayer
  • Gertrudenhof
  • Berli
  • Institut
  • Rki
  • Covid
  • Coronavirus
  • Corona
  • Produktion
  • Knapsackspiegel
  • Chemiepark
  • Knapsack
  • Yncoris
  • Unternehmen
Das Magazin für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Chemieparks Knapsack

WIE GEHT ES EIGENTLICH

WIE GEHT ES EIGENTLICH UNSEREN NACHBARN? „JAMMERN“ HILFT NICHTS Wie die Nachbarn des Chemieparks Knapsack durch die Corona-Krise kommen D er bundesweite „Lockdown“ im März und April aufgrund der Corona-Pandemie hat auch vor den Toren von Hürth und ihren vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen nicht Halt gemacht. Doch die Stadt hat sich einiges einfallen lassen, um diese Firmen zu unterstützen, wie zum Beispiel das Angebot unter #Hürthliefert (siehe auch Kasten auf Seite 27), das vielen beteiligten Unternehmen zumindest teilweise über die schwierige Phase hinweggeholfen hat. „DIE UNTERSTÜTZUNG UNSERER NACHBARN HAT UNS GERETTET.“ Reimund Coltro Inzwischen können viele Hürther Geschäfte (seit dem 4. Mai) und zahlreiche weitere Angebote und Einrichtungen seit dem 11. Mai unter bestimmten Hygiene- und Infektionsschutzstandards wieder öffnen. Darunter fallen unter anderem Gastronomiebetriebe (Innen- und Außengastronomie), Beherbergungsbetriebe, Friseursalons oder Massage- und Fitnessstudios. Der KNAPSACKSPIEGEL hat beispielhaft für viele mutige und einfallsreiche Unternehmer mit dem BERLI Theater, dem Gertrudenhof und der Coltro Brauerei drei interessante Geschichten herausgegriffen. Alle drei zeigen eindrucksvoll, dass Aufgeben kein Option ist. Die Coltro-Brauerei stand nach großen Investitionen vor düsteren Corona-Zeiten D as neue Jahrzehnt sollte für die Coltro-Brauerei fünf Jahre nach der Gründung ein Aufbruch in eine neue Größenordnung sein. Im ersten Quartal 2020 erfolgte der Hürth-interne Umzug von Knapsack nach Hermülheim. Dort haben die Firmengründer, Braumeister Christoph und sein Vater Reimund Coltr, in größerem Stil gebaut und auf insgesamt zirka 600 Quadratmetern rund 1,5 Millionen Euro investiert – in ein neues Brauhaus, einen Veranstaltungssaal, einen Seminarbereich für Bierseminare und Braukurse sowie eine Außengastronomie. Doch statt florierender Geschäfte hielt mitten im Innenausbau des ehrgeizigen Projektes nicht der Erfolg sondern das Corona-Virus Einzug. KASSENSCHLAGER BRAUSERVICE „Wir haben erst einmal düstere Zeiten auf uns zukommen sehen“, sagt Christoph Coltro. Und das nicht nur wegen der großen Investitionen, sondern auch weil sich die beiden „Coltros“ auf Fassbiere für Kneipen spezialisiert haben: „Wir produzieren eine ganze Menge verschiedene Biere, insgesamt 20 Sorten. Unser Kassenschlager ist der Brauservice. Das heißt, wir stellen individuell zugeschnittene Biere für Kneipen her, schwerpunktmäßig in Köln. Das ist eine Win-Win-Situation: Die jeweilige Kneipe hat ein cooles individuelles Produkt und wir haben einen festen Abnehmer. Das macht ungefähr 70 Prozent unserer Einnahmen aus. Und das ist von heute auf morgen weggebrochen als alle Gaststätten schließen mussten.“ DICKER STRICH DURCH DIE RECHNUNG Gebaut wurde bereits über die vergangenen zwei Jahre und mit dem Umzug nun die Fläche vervielfacht. Das Brauhaus ist inzwischen komplett fertiggestellt und soll alsbald durchstarten, denn die gesamte Produktion mit der neuen Kapazität von bis zu 1.000 Litern 22 | KNAPSACKSPIEGEL 04.2020

am Tag ist mittlerweile von Knapsack nach Hermülheim gewechselt. Doch zunächst sind aufgrund der Gemengelage nur kleine Schritte möglich und auch die Pläne einer eigenen Gastronomie mit klassischen deutschen Gerichten und regional erzeugten Produkten gerieten erheblich ins Stocken, wie Coltro junior berichtet: „Wir waren davon ausgegangen, dass unser Projekt hier ein Selbstläufer wird, weil es in Hürth auch nichts Vergleichbares gibt. Zum Start hatten wir auf die Fußball-EM gehofft, mit Live-Spielen auf einer großen Leinwand im Biergarten.“ Doch die Corona-Krise machte einen dicken Strich durch die Rechnung – inklusive der auf das Jahr 2021 verschobenen EM. Vermutlich hätten sich die beiden findigen Unternehmer nicht schon jetzt in Phase zwei in ihrer Selbständigkeit begeben, wenn sie den Fehlstart vorausgesehen hätten. Aber gerade wegen des Umzugs haben sie nun auch zwei Trumpfkarten in der Hand: „Der Vorteil ist, dass das unser Eigentum ist und wir nicht, wie beispielsweise unsere Kneipen-Geschäftspartner in Köln, horrende Mieten bezahlen müssen“, verweist Christoph Coltro auf das Glück im Unglück. Mit den Kreditraten, so Coltro, stehe die Coltro-Brauerei noch vergleichsweise gut da. INNENAUSBAU IN EIGENREGIE Außerdem sind Vater und Sohn selbst begabte Handwerker, die nun allen externen Kräften für den Innenausbau erst einmal abgesagt haben und die finalen Ausbau-Schritte für das mit modernen Elementen bis hin zur brauhaustypischen Gemütlichkeit geplante Ambiente gerade in Eigenregie durchführen. Christoph Coltro: „Wir legen hier gerade hochwertige Fußböden, bauen eine Theke und richten eine Profi-Küche ein, was mit erheblichen Kosten verbunden ist. Alleine die Lüftungsanlage für die Gastronomie, die nach den neuesten Vorschriften eingerichtet wurde, hat uns schon 80.000 Euro gekostet.“ AUFRUF ÜBER SOZIALE MEDIEN UND #HÜRTHLIEFERT Parallel zu dieser Eigeninitiative hatten Vater und Sohn nicht nur den richtigen Riecher, sondern auch ein zweites Mal Glück: So konnten mit verschiedenen Aufrufen über die sozialen Medien viele Nachbarn und potenzielle Kunden erreicht werden. „Dort haben wir angekündigt, dass wir unser Bier jetzt erst einmal nur für den Heimbedarf produzieren und dazu aufgefordert vorbeizukommen und Bier bei uns zu kaufen“, so Christoph Coltro. Eine ähnliche Aktion lief auch über die Stadt Hürth, die mit #HürthLiefert eine Webseite mit Gastronomie- sowie Hersteller- und Dienstleistungsbetrieben der Stadt eingerichtet hat. Hier wird bei den Bürgern darum geworben, sich die Produkte der gelisteten Unternehmen nach Hause liefern zu lassen. „Auf diese beiden Aktionen kamen sehr viele Bestellungen, viele kauften unser Bier um uns zu helfen und – perspektivisch betrachtet – damit auch den Biergarten zu retten. Da war schon ein toller Zusammenhalt zu spüren“, freut sich der 30-jährige Jungunternehmer. Den wohl entscheidenden Schub brachte dann noch ein Artikel im Kölner Stadtanzeiger, wo ebenfalls dazu aufgerufen wurde, Bier für dem Heimbedarf zu kaufen und die kleinen Unternehmen der Region zu unterstützen. „Danach gab es eine richtige Nachfrageflut und zwischenzeitlich hatten wir keine einzige Flasche Bier mehr am Lager. Mittlerweile haben wir die Tanks wieder voll. Das lief wirklich sehr gut und hat uns Mut gemacht“, bekräftigt Coltro junior. SCHON BALD ZEHN BIERE VOM FASS Auch die beim Land NRW beantragte Soforthilfe stand schnell zur Verfügung und reicht erst einmal für die eine oder andere Kreditrate. Im Zuge der Lockerungen im Mai kann nun bald wieder in kleinen Schritten das Kneipengeschäft in Köln und Umgebung und damit auch die Coltro-Bierproduktion wieder anlaufen. Bis aber der Innenausbau des neuen Gebäudekomplexes soweit abgeschlossen ist, dass auch der Gastronomiebereich in Hermülheim seine Tore öffnen kann, dürfte noch einige Zeit ins Land gehen. Aber, so Reimund Coltro, „wir streben immer noch einen Start im Sommer an“ – dann zwar ohne EM, aber mit zehn Bieren vom Fass. Die Coltros jedenfalls haben ihre Zuversicht wiedererlangt: „Am Anfang dachten wir, dass wir nicht lange durchhalten werden. Aber wir kommen jetzt erst einmal zurecht. Die Unterstützung unserer Nachbarn hat uns gerettet.“ KNAPSACKSPIEGEL 04.2020 | 23

KnapsackSPIEGEL

KnapsackSPIEGEL 09-10/2020
KnapsackSPIEGEL 03-04/2020
KnapsackSPIEGEL 01-02/2020
KnapsackSPIEGEL 11-12/2019
KnapsackSPIEGEL 09-10/2019
KnapsackSPIEGEL 07-08/2019
KnapsackSPIEGEL 05-06/2019
KnapsackSPIEGEL 03-04/2019
KnapsackSPIEGEL 01-02/2019
KnapsackSPIEGEL 11-12/2018
KnapsackSPIEGEL 09-10/2018
KnapsackSPIEGEL 07-08/2018
KnapsackSPIEGEL 05-06/2018
KnapsackSPIEGEL 03-04/2018
KnapsackSPIEGEL 01-02/2018
KnapsackSPIEGEL 12/2017
KnapsackSPIEGEL 10-11/2017
KnapsackSPIEGEL 08-09/2017
KnapsackSPIEGEL 06-07/2017
KnapsackSPIEGEL 04-05/2017
KnapsackSPIEGEL 02-03/2017
KnapsackSPIEGEL Ausgabe 12-01/2017
KnapsackSPIEGEL Ausgabe 10/11-2016
KnapsackSPIEGEL Ausgabe 08/09-2016
KnapsackSPIEGEL Ausgabe 06-07-2016
KnapsackSPIEGEL Ausgabe 04/05-2016
KnapsackSPIEGEL Ausgabe 04/05-2014
KnapsackSPIEGEL Ausgabe 06/07-2014
KnapsackSPIEGEL Ausgabe 10/11-2014
KnapsackSPIEGEL Ausgabe 02/03-2015
KnapsackSPIEGEL Ausgabe 04/05-2015
KnapsackSPIEGEL Ausgabe 06/07-2015
KnapsackSPIEGEL Ausgabe 08/09-2015
KnapsackSPIEGEL Ausgabe 10/11-2015
KnapsackSPIEGEL Ausgabe 04/05-2016
KnapsackSPIEGEL Spezial 03-2020
KnapsackSPIEGEL Spezial 03-2019
KnapsackSPIEGEL Spezial 02-2019
KnapsackSPIEGEL Spezial 01-2019
KnapsackSPIEGEL Spezial 01-2018
KnapsackSPIEGEL Spezial 04-2017
KnapsackSPIEGEL Spezial 03-2017
KnapsackSPIEGEL Spezial 02-2017
KnapsackSPIEGEL Spezial 01-2017
KnapsackSPIEGEL Spezial 04-2016
KnapsackSPIEGEL Spezial 03-2016
KnapsackSPIEGEL Spezial Ausgabe 3/2015
KnapsackSPIEGEL Spezial Ausgabe 02/2015
KnapsackSPIEGEL Spezial Ausgabe 01/2015
KnapsackSPIEGEL Spezial Ausgabe 02/2014
KnapsackSPIEGEL Spezial Ausgabe 01/2014
KnapsackSPIEGEL Spezial - Ausgabe 1/2016
KnapsackSPIEGEL Spezial - Ausgabe 4/2015
Copyright 2016 Chemiepark Knapsack – Impressum