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KnapsackSPIEGEL 03-04/2020

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Das Magazin für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Chemieparks Knapsack

VOR DIE LAGE KOMMEN Das

VOR DIE LAGE KOMMEN Das Krisenmanagement des Chemieparks Knapsack in Zeiten von Corona Rund 2.500 Menschen arbeiten normalerweise im Chemiepark Knapsack. Sie alle können auch in Zeiten von Covid-19 weitestgehend sicher arbeiten. Dass dies möglich ist, liegt an einem umfassenden Krisenmanagement, mit dem alle Unternehmen am Standort der Pandemie begegnen. M ontag, 15:30 Uhr: Der Koordinierungskreis des Chemieparks Knapsack trifft sich per Videokonferenz und bespricht die neuesten Entwicklungen in den Unternehmen durch die Corona-Pandemie, aber auch durch die Vorgaben der Politik. An diesem Tag diskutieren die Teilnehmer unter anderem über zusätzliche Schutzmaßnahmen und Regelungen während der anstehenden Stillstandsarbeiten. Die Entscheidungen werden danach an den Arbeitskreis Kommunikation übergeben. Am Tag darauf können alle Mitarbeiter die Neuigkeiten in einem speziellen Corona-Newsletter nachlesen. AUFGABENTEILUNG IN KOORDINIERUNGS- UND ARBEITSKREISEN Der Koordinierungskreis CPK (CPK steht für Chemiepark Knapsack) ist einer von derzeit insgesamt fünf Arbeitskreisen, in denen sich YNCORIS-Mitarbeiter mit den Herausforderungen beschäftigen, die mit der Pandemie einhergehen. Sie bilden die Basis der routinierten und erfolgreichen Zusammenarbeit innerhalb von YNCORIS, aber auch sämtlicher Unternehmen am Standort. Ins Leben gerufen hat ihn die Geschäftsleitung der YNCORIS bereits Anfang März und Jürgen Groborz, Leiter Standortsicherheit und Mitglied der Zentralen Einsatzleitung des Chemieparks, mit der Koordination der Maßnahmen beauftragt. Trotz seiner Einsatz- und Krisenerfahrungen ist eine Pandemie für Groborz, wie für alle anderen, Neuland und alles andere als Tagesgeschäft, auch wenn sich viele grundlegende Aspekte aus dem Krisenmanagement übertragen lassen. In „normalen“ Zeiten verantwortet er seit mehreren Jahren ein Team von erfahrenen Einsatzkräften und Notfall- und Krisenmanagern, die bei einem Brand oder Stoffaustritt für alle Unternehmen am Standort die Gefahrenabwehr und Schadenbekämpfung sicherstellen. „Eine Pandemie unterscheidet sich in vielen Bereichen nicht vom klassischen Notfall- und Krisenmanagement“, sagt er. „Deshalb konnten wir die Strukturen und Vorgehensweisen der Krisenstabsarbeit nutzen und schnell ans Laufen kommen.“ Einen wichtigen Unterschied gibt es jedoch: Während die akute Phase bei einem klassischen Ereignis nur Stunden oder wenige Tage dauert, ist bei einer Pandemie ein deutlich längerer Atem nötig. LANGJÄHRIGE ERFAHRUNG SCHAFFT ENTSCHEI- DENDEN VORTEIL Im Gegensatz zu vielen kleineren mittelständischen Unternehmen verfügte der überwiegende Teil der Unternehmen auf dem Knapsacker Hügel schon vor Corona über individuelle Pandemiepläne. Auch bei allen Bereichen der YNCORIS, die wichtige Infrastrukturleistungen bereitstellen – dazu gehören beispielsweise Werkfeuerwehr, Werkschutz, 4 | KNAPSACKSPIEGEL 04.2020

Logistik oder auch die Ver- und Entsorgung – schlummerte bereits ein solches Konzept in der Schublade. Ein Vorteil, denn so war der Umstieg in den Pandemie-Modus in kürzester Zeit möglich. Trotzdem mussten sich die Mitglieder des Koordinierungskreises gerade anfangs erst einmal einen Überblick verschaffen, wie sich die Lage weiter entwickeln könnte. „In den ersten Märzwochen war es wichtig, erst einmal die teilweise gegenläufigen Informationen einzuordnen. Wie gefährlich ist die Krankheit, wie schätzen die Experten Auswirkungen und Risken ein und wie können wir uns schützen? Welche Maßnahmen helfen, das Virus einzudämmen?“, sagt Groborz. Hier galt es auch, Überzeugungsarbeit zu leisten, denn anfangs waren wenig Informationen verfügbar und eine realistische Bewertung der gesundheitlichen Risiken kaum möglich. Einige hielten das Virus für ähnlich gefährlich wie eine Grippe. „Doch spätestens als Anfang März die Häufung der Fälle und Krankheitsverläufe in Heinsberg und anderen Ortes bekannt wurde, war den meisten klar, dass wir nur mit einem strukturierten Notfall- und Krisenmanagement weiterkommen. Dabei galt es, weder zu große Gelassenheit noch zu großen Aktionismus zu verbreiten.“ Hier konnten die Mitglieder des Koordinierungskreises auf die Expertise aus den Fachbereichen, wie Arbeitsmedizin, Notfallmanagement, IT, Arbeitsschutz und Facilitymanagement setzen. Dr. Beate Kleuren-Paus, Leiterin des werksärztlichen Dienstes, übertrug mit ihrem wissenschaftlichen Sachverstand die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts auf den Arbeitsalltag. Auch ihre Arbeit wurde innerhalb kürzester Zeit auf den Kopf gestellt. „Gerade die Teams aus dem Arbeits- und Gesundheitsschutz unserer Kunden hatten viele Fragen,“ sagt Kleuren-Paus, die sich plötzlich in mehrstündigen Videokonferenzen wiederfand. „Hier waren wir nicht nur mit unserer medizinischen Einschätzung möglicher Maßnahmen, sondern auch als Psychologen gefragt.“ Nur wenige Anfragen erhielt ihr „Es hat sich gezeigt, dass unsere gemeinsame Notfall- und Krisenorganisation am Standort auch in der Corona-Pandemie wirkt.“ Team von besorgten Mitarbeitern: „Sie fühlten sich durch die Kommunikationsmaßnahmen gut abgeholt.“ Seit Anfang März tagt der Koordinierungskreis der YNCORIS täglich. In den ersten Besprechungen diskutierten die Teilnehmer noch – mit großem Abstand – im „Blauen Salon“ – Knapsacks größtem Auditorium, seitdem nur noch virtuell per Skype. Zunächst dominierten die dringlichsten Themen: Wie lässt sich die IT schnell soweit ausbauen, dass so viele Mitarbeiter wie möglich mobil arbeiten können? Welche Vorgaben müssen hierfür gelten? Wie können wir die Abstands- und Hygienemaßnahmen umsetzen? Wie kommunizieren wir die Themen? Wie reagieren wir auf politische Vorgaben wie die Schul- und Kitaschließungen oder das Kontaktverbot? Wie gehen wir mit infizierten Kollegen um und verfolgen die Kontakte? Die vielen offenen Fragen gingen mit einer extremen Arbeitsbelastung einher. „Am Dr. Clemens Mittelviefhaus Anfang konnten wir nur reagieren, sortieren und umsetzen, weil es eine extrem dynamische Lage war, viele – teils überraschende – politische Entscheidungen oder auch neue medizinische Erkenntnisse gab und extrem viel zu regeln galt. Doch seit Anfang April sind wir vor der Lage und können mögliche Szenarien durchspielen und uns auf Entwicklungen vorbereiten“, sagt Groborz. Eine der größten Herausforderungen in der Anfangsphase war der Aufbau von Strukturen, um die Arbeits- und Handlungsfähigkeit herzustellen. Dabei musste das Krisenteam eine Vielzahl von Informationen sichten, Aufgaben verteilen und die geplanten Aktivitäten abgleichen. Auf der aktuell über 160 Punkte langen Maßnahmenliste fanden sich allein im Bereich Beschaffung 20 Aufgaben. Dabei stand gerade in den ersten Wochen der Bedarf von YNCORIS – zum Beispiel an Desinfektionsmittel und Mundschutz – in direkter Konkurrenz zu Arztpraxen, Krankenhäusern und Pflegeheimen. „Wir mussten hier einen Weg finden, mit der wir einerseits unsere Mitarbeiter wirksam schützen und KNAPSACKSPIEGEL 04.2020 | 5

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