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KnapsackSPIEGEL 04-05/2017

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CHEMIEPARK KNAPSACK

CHEMIEPARK KNAPSACK Ermittlung der Risikoklasse MIT ÜBERSCHAUBAREM AUFWAND AUF DER SICHEREN SEITE Prozessanlagen der chemischen Industrie müssen während ihres gesamten Lebenszyklus auf ihre Sicherheit hin geprüft werden. Denn fällt eine Anlage unter die Störfallverordnung, ist der Betreiber verpflichtet, die von seiner Anlage ausgehenden Gefahren für Menschen, Umwelt und Sachgüter zu ermitteln, zu bewerten und bei Bedarf entsprechende Gegenmaßnahmen zu ergreifen. InfraServ Knapsack bietet hierfür eine Lösung mit Augenmaß. E in Betreiber von Störfallanlagen muss juristisch nachvollziehbar nachweisen, dass er seinen Sorgfaltspflichten in Hinblick auf die Verhinderung und Begrenzung von Störfällen jederzeit nachkommt. Diese Regelungen gelten nicht nur für die Planung von neuen Verfahren und Anlagen, sondern greifen auch bei der Änderung bestehender Anlagen sowie deren Instandhaltung. Darüber hinaus können Störungen des Anlagenbetriebs, beispielsweise durch technisches Versagen, Bedienungsfehler oder auch umgebungsbedingte Gefahrenquellen, eine Sicherheitsbetrachtung erforderlich machen. Teil des Tagesgeschäfts Sicherheitsbetrachtungen gehören bei Betreibern von Anlagen der Prozessindustrie grundsätzlich zum Tagesgeschäft. Bei Betreibern insbesondere ohne eigene Fachabteilungen im Bereich Anlagensicherheit kann es in der Praxis jedoch vorkommen, dass nötige Sicherheitsbetrachtungen nicht ausführlich genug oder verspätet vorgenommen werden. Die Sicherheitsrichtlinien von InfraServ Knapsack bieten Anlagenbetreibern in diesen Fällen ein umfassendes Rahmenwerk, das die gesetzlichen Regelungen konkretisiert und es ermöglicht, die nötigen Gefahrenanalysen nach dem aktuellen Stand der Technik im Tagesgeschäft professionell umzusetzen. Die Herausforderung bei einer Gefahrenanalyse besteht darin, dass der Aufwand am Ende meist größer ist, als am Anfang vermutet wurde. Während sich Screening-Methoden, wie Sicherheitschecklisten, mit relativ geringem Aufwand realisieren lassen, ist der Aufwand bei Methoden der systematischen Gefahrenermittlung und -bewertung bereits deutlich höher. Gleichzeitig erhält der Betreiber jedoch auch wesentlich mehr Detailinformationen über das Gefahrenpotenzial seiner Anlagen. Den höchsten Aufwand, aber auch die höchste Betrachtungstiefe versprechen quantitative Methoden. So werden mögliche Gefahrenquellen in den angelsächsischen Ländern, wie den USA, mit Wahrscheinlichkeiten hinterlegt. Allerdings hängt die Aussagekraft derartiger Methoden vom hinterlegten Zahlenmaterial ab. Bei der InfraServ Knapsack kommt bei der Durchführung von Sicherheitsbetrachtungen von Prozessanlagen die fortentwickelte Sicherheitsrichtline 5 der ISK zur Anwendung. Sie greift auf die Methoden der systematischen Gefahrenermittlung zurück und entspricht den Anforderungen eines modernen Risikomanagements, wobei dennoch ganz bewusst der Aufwand für die Beteiligten in Grenzen gehalten wird, weil im Rahmen von semiquantitativen Methoden auch Erfahrungswerte einfließen. Dieses Regelwerk eignet sich insbesondere für die Betrachtung von Prozessanlagen der chemischen und petrochemischen Industrie, sowohl für Großanlagen wie auch kleinere Einheiten. Die Sicherheitsbetrachtung im Rahmen der Sicherheitsrichtlinie 5 der InfraServ Knapsack ist ein Konzept, das die Qualität aller Maßnahmen in Bezug auf Technik, Prozessleittechnik und Organisation betrachtet und durch entsprechende Tools dokumentiert. Dazu wurde das Sicherheitsgespräch zur Durchführung von Sicherheitsbetrachtungen systematisch weiterentwickelt. Diese Art der Sicherheitsbetrachtungen orientiert sich bei der Ermittlung der Gefahren an der Vorgehensweise der HAZOP 1 . Um alle Gefahren systematisch und vollständig zu ermitteln, analysiert ein interdisziplinäres Team von Experten aus den Bereichen Anlagenplanung, Produktion und Technik gemeinsam mit einem Moderator aus dem Genehmigungsmanagement von InfraServ Knapsack in mehreren Schritten verschiedene Bereiche einer Anlage. Hierbei ist insbesondere die Erfahrung der Betriebsmannschaft bei der Analyse der Gefahren ein wichtiger Vorteil, den es zu nutzen gilt. Im Mittelpunkt stehen Fragen wie: Welche Störungen an der Anlage sind möglich und wie lassen sie sich verhindern? Welche Maßnahmen ergreift der Betreiber, damit sich Auswirkungen schwerer Unfälle begrenzen lassen? 8 KnapsackSPIEGEL 04.|05.2017

CHEMIEPARK KNAPSACK InfraServ Knapsack hat in den vergangenen Jahren die Sicherheitsbetrachtung weiterentwickelt, beispielsweise, indem eine Bewertung ins Kalkül gezogen wurde. Auswirkungen einer Störung werden einzelnen Risikostufen zugeordnet. Was eine Risiko- bzw. Sicherheitsklasse ausmacht, ist detailliert in der Sicherheitsrichtlinie 5 beschrieben. Dort ist zum Beispiel festgehalten, welche PLT-Schutztechnik zum Einsatz kommen muss, wenn ein Gerät keine ausreichende Eigensicherheit hat oder wie dies durch andere technische Einrichtungen abgesichert werden kann. Auch die Organisation wird bewertet. Mit Augenmaß Es werden mögliche Störungen, ihre vernünftigerweise nicht auszuschließenden Ursachen und die daraus resultierenden Auswirkungen in einer Sicherheitstabelle aufgelistet. Auf Basis der gesammelten Informationen bewertet das Expertenteam die Risikoparameter der verschiedenen Szenarien nach einer semiquantitativen Methode. Dabei legen die Beteiligten die Eintrittswahrscheinlichkeit der Szenarien anhand der Erfahrungen aus der betrieblichen Praxis fest und ermitteln das jeweilige Risiko mit einer Risikomatrix, die sich an die Methoden der VDI/VDE-Richtlinie 2180 Blatt 1 anlehnt. Die so ermittelte Risikoklasse wird im Anschluss mit den bereits bestehenden technischen, organisatorischen und PLT-Schutzmaßnahmen verglichen. Um ein ausreichendes Sicherheitsniveau zu gewährleisten, muss dabei eine Sicherheitsklasse gewählt werden, die der ermittelten Risikoklasse entspricht oder sie übertrifft. Bei der Auslegung der Sicherheitsklassen können die Beteiligten auf ein umfangreiches Regelwerk mit möglichen Maßnahmen zugreifen. Aus dem Vergleich der Risikoklasse mit der Sicherheitsklasse lässt sich dann direkt der notwendige Handlungsbedarf ableiten und in einer übersichtlichen Aktionsliste festhalten. Sind alle noch ausstehenden Arbeiten erledigt, kann die Aktionsliste einfach von der restlichen Tabelle getrennt werden. So ist die Gefahrenanalyse direkt als Dokumentation des Standes der Sicherheitstechnik im Sicherheitsbericht für die Behörden verwendbar. Ermittlung der Risikoklasse in Anlehnung an VDI/VDE 2180 Blatt 1 (2007) 1.9 Eintrittswahrscheinlichkeit ----> W3: relativ hoch W2: gering W1: sehr gering Eintritt des Ereignisses nicht ausgeschlossen Eintritt des Ereignisses nicht ausgeschlossen, aber geringe Wahrscheinlichkeit Eintritt des Ereignisses vernünftigerweise ausgeschlossen z. B. ist bereits mehrmals im Laufe des Betriebs aufgetreten (> 1x in 30 Jahren)* z. B. ist bereits einmal im Laufe des Betriebs aufgetreten (1x in 30 Jahren)* z. B. ist noch nicht im Laufe des Betriebs aufgetreten* RK 0 RK 1 RK 2 RK 2 RK 0 RK 1 RK 1 RK 2 RK 0 RK 0/1 RK 1 RK 1 RK 3 RK 3 RK 4 RK 5 RK 2 RK 3 RK 3 RK 4 RK 2 RK 2 RK 3 RK 3 Risikoklasse (RK) RK5 RK 4 RK 3 RK 2 RK 1 RK 0/1 RK 0 Risiko nicht akzeptabel sehr hoch hoch erheblich niedrig sehr niedrig - niedrig sehr niedrig Schadensausmaß ---> niedrig erheblich hoch sehr hoch Gefahrenabwendung Gefahrenabwendung G1: leicht G1: leicht G2: schwer G1: leicht G2: schwer G2: schwer möglich unter bestimmten Bedingungen, d. h. erkennbar und rechtzeitig möglich kaum möglich Aufenthalt im Gefahrenbereich A1: selten seltener bis öfterer Aufenthalt im Gefahrenbereich, z. B. kein ständiger Arbeitsplatz oder Rundläufer mit Aufenthalt 2 h/d. Aufenthalt im Gefahrenbereich A1: selten A2: häufig A1: selten A2: häufig A2: häufig häufiger bis dauernder Aufenthalt im Gefahrenbereich, z. B. Abfüllung Schaden S1: klein S2: mittel S3: groß S4: sehr groß Sicherheit leichte Verletzung einer Person schwere irreversible Verletzung einer oder mehrerer Personen oder Tod einer Person Tod mehrerer Personen viele Tote, katastrophale Auswirkungen Umwelt kleinere schädliche Umwelteinflüsse, die nicht unter die Störfallverordnung fallen vorübergehend größerer schädlicher Umwelteinfluss, z. B. nach Störfallverordnung größere schädliche Umwelteinflüsse, z. B. nach Störfallverordnung lang andauernder größerer/irreversibler Schaden Außenwirkung (betreiberspezifisch)** z. B. lokale Kenntnisnahme z. B. lokal Aufregung, überregionales Interesse z. B. überregionale Aufregung und internationales Interesse z. B. internationale Aufregung finanzieller Schaden (betreiberspezifisch)** z. B. < 250 T€ z. B. 250 T€ - 2 Mio. € z. B. 2-10 Mio. € z. B. > 10 Mio. Hinweise * : Beschreibungen der Eintrittswahrscheinlichkeiten (kursiv) sind betreiberspezifisch und als Beispiele zu verstehen. Die Betrachtung vergleichbarer Betriebe ist mit eingeschlossen. **: Die Berücksichtigung von Außenwirkung und finanziellem Schaden zur Bewertung des Schadens ist betreiberspezifisch und als Beispiel zu verstehen. SR5_Ermittlung Risikoklasse_Version 1.9.xlsx 8. Ermittlung Risikoklasse Seite 1 1 HAZOP (Hazard and operability), in Deutschland auch unter der Abkürzung PAAG (Prognose, Auffinden der Ursache, Abschätzen der Auswirkungen, Gegenmaßnahmen) bekannt, ist eine Methode der Sicherheitsbetrachtung für geplante oder bestehende Anlagen der chemischen Industrie. Bei dieser Analysemethode untersucht ein Expertenteam aus verschiedenen Fachgebieten unter Leitung eines Moderators in Besprechungen systematisch alle Teile einer Anlage. Sicherheitsbetrachtungen nach der Sicherheitsrichtlinie 5 ermitteln die Gefahren in Anlehnung an die HAZOP-Methodik. Deren konkrete Bewertung erfolgt anhand von Methoden, wie sie in der VDI/VDE-Richtlinie 2180, Blatt 1, beschrieben sind. 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