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KnapsackSPIEGEL Spezial 03-2019

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Informationen für Nachbarn und Besucher des Chemieparks

Aus zwei Pumpen wurde

Aus zwei Pumpen wurde eine: Für die Erschließung vorhandener Kondensatabwärme zur Beheizung von Schmelzbehältern … Illustration: askaja – Fotolia.com … wurde CABB für den Energy Efficiency Award 2018 nominiert. KONKRETES ZIEL Bis zum Jahr 2020 will CABB den Gesamtenergieverbrauch gegenüber 2010 um 14 % senken. Das entspricht einem jährlichen Stromverbrauch von 1.450 Dreipersonenhaushalten. 50 METER UNTER DEM MEERESSPIEGEL Pensionärsvereinigung Knapsack lud zur Exkursion in den Braunkohle-Tagebau Garzweiler STROMSPAREN FÜR EINE GESICHERTE ZUKUNFT Energiemanagement bei der CABB GmbH D er Ausstieg aus Kernkraft und Braunkohleverbrennung scheint zwingend notwendig, um langfristig nachhaltig und sicher mit den Energieressourcen unserer Erde umzugehen. Aller Notwendigkeit zum Trotz bringt die Energiewende große Herausforderungen mit sich. Wie kann der Energiebedarf nachfolgender Generationen gedeckt werden? Wie wird in Unternehmen die zur Produktion maßgeblich benötigte Energie zukünftig bereitgestellt? Und wie kann das zu wirtschaftlichen Konditionen gelingen? Mit diesen und weiteren Fragen beschäftigt sich auch die CABB GmbH. Energiemanager Philipp Stahlhofen und sein Team verfolgen ein klares Ziel: einen Beitrag zur Energiewende in Deutschland zu leisten und das eigene Unternehmen für eine ökologisch und ökonomisch sichere Zukunft aufzustellen. OHNE STROM KEINE CHEMIE Die Chemieindustrie ist wie viele produzierende Branchen energieintensiv. Strom ist im Rahmen chemischer Prozesse nicht nur Mittel zum Zweck, sondern Rohstoff. „Die Strommenge, die zur Herstellung chemischer Substanzen eingesetzt wird, kann nicht beliebig variiert werden. Eine stabile Versorgung mit elektrischer Energie ist hierbei unerlässlich“, erklärt Philipp Stahlhofen. Ohne die staatlich gewährten Entlastungen bei Steuern, Umlagen und Abgaben in Bezug auf die Strombezugskosten sei eine wirtschaftliche Produktion in Deutschland nicht mehr möglich, so Stahlhofen weiter. Z u einem ganz besonderen Ausflug starteten an einem sonnigen September-Tag, organisiert von der Pensionärsvereinigung Knapsack, 48 Pensionäre und aktive Mitarbeiter aus dem Chemiepark Knapsack. Ziel war der Braunkohle-Tagebau Garzweiler von RWE Power in der Nähe von Jüchen. Nach einer umfassenden und gut fundierten Vorstellung der Braunkohle-Gewinnung und -Verwendung sowie der Rekultivierung des Tagebaus im RWE-Besucherzentrum, ging es auf Besichtigungstour in den Tagebau. Während der Rundfahrt konnten sich die Besucher einen guten Eindruck von den enormen Dimensionen des Tagebaus verschaffen und die technischen Einrichtungen begutachten. Entlang der kilometerlangen Förderbänder und durch Berieselungsanlagen war das „Highlight“ die Nähe zu dem zweitgrößten Abraumbagger auf der Talsohle 5, etwa 50 Meter unter dem Meeresspiegel. Hier konnten die Teilnehmer beinahe Auge in Auge mit dem Baggerfahrer der Arbeit der gewaltigen Gerätschaft zusehen, die zirka 60 Meter hoch und 200 Meter breit ist und sich mit 18 Schaufeln durch den Braunkohleflöz arbeitet. Mit jeder Schaufel packt sich der Bagger rund sechs Kubikmeter Flöz. Aber nicht nur der Abraum stand auf dem Besichtigungsprogramm. Ebenso konnten die Gäste aus Knapsack sehen, wie der Tagebau wandert, das heißt, wie das Loch, das der Abraumbagger öffnet, am Schluss wieder durch die Absetzer verfüllt wird. Nach einem Blick über das riesige Gelände vom Skywalk in Jackerath ging die Fahrt zurück über rekultivierte Felder und durch Bedburg-Königshoven, einem der vielen Umsiedlungsorte. Die über dreistündige Fahrt durch den Tagebau war ein beeindruckendes Erlebnis, das manchen Teilnehmer der Besichtigungsfahrt den Blick auf die Braunkohlediskussion überdenken lässt. Damit sich Stromeinsparungen als letzter Schritt nicht nur durch geringere Produktionsmengen und damit letztlich Personalabbau realisieren lassen, arbeitet das Energiemanagement bei CABB mit Hochdruck daran, Maßnahmen zur Energieeinsparung aufzudecken und umzusetzen. Dazu ist das Unternehmen an allen Standorten mit einem separaten Energiemanagement nach ISO 50001 zertifiziert und wird jedes Jahr durch die Deutsche Gesellschaft zur Zertifizierung von Managementsystemen (DQS) auditiert. Dabei hat sich CABB auch ein konkretes Ziel für den Standort Knapsack gesetzt: Bis 2020 will das Unternehmen den spezifischen Gesamtenergieverbrauch (Strom und Dampf) gegenüber 2010 um 14 Prozent senken. Das entspricht in etwa dem jährlichen Stromverbrauch von 1.450 Dreipersonenhaushalten. CABB-Werkleiter Dr. Wolfgang Schick freut sich über das bereits Erreichte: „Aktuell liegen die Einsparungen bei 12,1 Prozent.“ ZAHLREICHE MASSNAHMEN FÜHREN ZUM ZIEL Um diese Energieeinsparung in Knapsack zu erreichen, wurden bereits zahlreiche Maßnahmen umgesetzt. So wurde ein HCL-Kompressor, der bei der Herstellung von Monochloressigsäure eingesetzt wird, mit einem Frequenzumrichter ausgestattet. Durch die nun bedarfsgerechte Stromversorgung können jährlich 300.000 Kilowattstunden eingespart werden. Das entspricht einem Jahresstromverbrauch von 85 Dreipersonenhaushalten. Für die Erschließung vorhandener Kondensatabwärme zur Beheizung von Schmelzbehältern wurde die CABB GmbH von der Deutschen Energie-Agentur – neben zwei weiteren von 104 Bewerbern – für den Energy Efficiency Award 2018 nominiert. „So erreichen wir Schritt für Schritt unsere Ziele“, erklärt Stahlhofen. Um diese und andere Maßnahmen zu entwickeln und umzusetzen, gibt es bei CABB alle zwei Monate eine Energie-Teamsitzung an den Standorten Knapsack und Gersthofen. Hier werden Ideen entwickelt, neue Potentiale aufgedeckt und gesammelt. Darüber hinaus ist das Betriebliche Vorschlagwesen, bei denen Mitarbeiter Verbesserungen im Unternehmen anregen können, eine weitere Ideenquelle. Denn wie alle Veränderungsprozesse, lasse sich auch Energieeinsparung nur als Team realisieren, weiß Philipp Stahlhofen. „Das gesamte Unternehmen muss das Thema Energieeffizienz leben – von der Geschäftsführung bis zum Azubi. Wir sind auf einem guten Weg und haben noch einiges in petto.“ RECYCLING-NEUZUGANG IM CHEMIEPARK KNAPSACK Im Chemiepark Knapsack wird es bald einen Neuzugang geben: Am Knapsacker Hügel ist der Spatenstich für den Bau einer Recyclinganlage der Palurec GmbH erfolgt. Die Anlage wird Folien und Kunststoff-Verschlüsse, mit denen Getränkekartons ausgestattet sind, stofflich verwerten. Rund acht Millionen Euro sollen in den Bau der Recycling-Anlage investiert werden. Die Polyethylen-Aluminium-Reststoffe stammen aus Papierfabriken, die Getränkekartons aus den gelben Säcken und Tonnen zu neuen Papierprodukten verarbeiten. Nun haben sich die Hersteller von Getränkekartons auf die Fahne geschrieben, diese Verbundreststoffe künftig in eigener Verantwortung zu recyceln. Dazu gründete der Fachverband Kartonverpackungen für flüssige Nahrungsmittel e. V. (FKN), Berlin, die Palurec GmbH. In ihrer ersten Ausbaustufe soll die Recycling-Anlage rund 18.000 Tonnen dieses Polyethylen-Aluminium-Gemischs verwerten. Die neue Anlage wird rund um die Uhr in Betrieb sein und sorgt für bis zu 25 neue Arbeitsplätze.

07 AUS ALT MACH NEU Vinnolit forscht für Fußbodenrecycling auf neuem Niveau NEUES WAHRZEICHEN Neuer Kamin für Perimeter Solutions im Werksteil Hürth D ie Mitarbeiter im Werksteil Hürth des Chemieparks Knapsack müssen sich seit dem 9. Oktober neu orientieren. Eines der dortigen Wahrzeichen des Chemieparks, der im Jahr 1971 erbaute grüne Kamin, der mit Thermphos, ICL und jetzt Perimeter Solutions schon mehrere Unternehmensgenerationen überdauert hat, ist verschwunden. Der Kamin, seinerzeit hergestellt aus einem glasfaserverstärkten Kunststoff, war im Laufe von fast fünf Jahrzehnten buchstäblich in die Jahre gekommen. „Es war daher nötig, den Kamin nach rund 50 Jahren wie einen verdienten Mitarbeiter einfach mal in Rente zu schicken“, erklärt der Perimeter Solutions Geschäftsführer am Standort Knapsack, Herbert Neumann, mit einem Augenzwinkern. Zwar hatten jüngste Materialproben ergeben, dass die Haltbarkeit des Kamins noch gegeben war, aber, so Neumann, „die Sicherheit ließ sich nicht mehr zuverlässig auf die nächsten Jahre extrapolieren“. SECHS TONNEN GEWICHT Der alte Kamin hatte eine stattliche Kopfhöhe von 45 Metern beginnend auf einer Höhe von 20 Metern, so dass der eigentliche Kamin 25 Meter hoch war. Die Demontage der immerhin sechs Tonnen schweren Konstruktion erfolgte am 8. Oktober während der Stillstandphase der Anlage in zwei Teilen, ebenso wurde der mit 3,2 Tonnen Gewicht deutlich leichtere neue Kamin anschließend in zwei Teilen montiert. Das neue Wahrzeichen des Werksteils Hürth ist aus Edelstahl, entspricht den neuesten gesetzlichen Anforderungen und ist statisch so ausgelegt, dass er so Neumann, nicht zuletzt aufgrund seiner Materialbeschaffenheit, in den nächsten 50 Jahren allen Eventualitäten Genüge tun sollte: „Edelstahl ist ein erheblich homogenerer Werkstoff.“ Außerdem muss der neue Kamin eine deutlich geringere Abgasbelastung ertragen als sein Vorgänger. Im Laufe der Geschichte, so Neumann, habe sich diese praktisch halbiert. P flegeleicht, strapazierfähig, hygienisch und auch noch schick – Bodenbeläge aus PVC überzeugen durch viele Vorteile. Zudem lassen sich alte Beläge am Ende ihrer Lebensdauer recyceln. Der im Chemiepark Knapsack ansässige PVC-Hersteller Vinnolit forscht nun gemeinsam mit elf Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus fünf europäischen Ländern, darunter der Stabilisatorhersteller Chemson und die Arbeitsgemeinschaft PVC-Bodenbelagsrecycling (AgPR), an einer neuen Technologie, die das Recycling von gebrauchten PVC-Böden auf eine ganz neue Stufe stellen soll. Das vom Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung (IVV) koordinierte Projekt „Circular Flooring“ basiert auf der CreaSolv ® -Technologie und wird durch die Europäische Union gefördert. PVC-BODENBELÄGE-RECYCLING HEUTE Bisher werden nahezu alle PVC-Abfälle, die recycelt werden, mechanisch aufbereitet. Dazu werden zunächst die Nicht-PVC-Bestandteile entfernt. Anschließend werden Verunreinigungen abgetrennt, der PVC-Anteil wird gemahlen und das PVC-Rezyklat wieder verarbeitet. Durch dieses Verfahren kann PVC als hochwertiger Werkstoff mehrmals genutzt werden. Dies spart bereits heute wertvolle Ressourcen. Allerdings bleiben auf diese Weise auch Additive, die in der Vergangenheit verwendet worden sind, im Werkstoff erhalten. WIE KANN DIE ZUKUNFT AUSSEHEN? Mit dem lösemittelbasierten Verfahren, wie es bei „Circular Flooring“ für PVC-Bodenbeläge erprobt wird, soll PVC als möglichst reiner Werkstoff wiedergewonnen werden. Hier wird der PVC-Abfall zunächst in einem Lösemittel gelöst und das möglichst reine PVC selbst anschließend wieder ausgefällt. Erasmus+: Das Erfolgsprojekt ermöglicht zum 9. Mal Schülern aus Prag, die Möglichkeiten der Rhein-Erft Akademie zu erleben BILDUNG MACHT DIE WELT VERWANDT … … und kennt keine Landesgrenzen. Neben Wissen und Kompetenzen wachsen hier auch Freundschaften, Toleranz und Weltoffenheit. Weit über 100 Schüler der Masaryk-Fachmittelschule für Chemie in Prag waren im Laufe der vergangenen Jahre zu Gast an der Rhein-Erft Akademie. In diesem Jahr durften die Schüler und Schülerinnen aus Tschechien an den modernisierten Anlagen im Technikum ihr Fachwissen aus den Bereichen chemische Produktions- und Verfahrenstechnik vertiefen. Ausbilder Ludwig Volkelt organisiert und betreut das Projekt und wird dabei alljährlich von vier Auszubildenden unterstützt. Der Austausch im Rahmen des EU-finanzierten Erasmus+-Programms geht aber noch weiter: Während gemeinsamer Aktionen lernen die jungen Menschen Gastgeber und Gastgeberland kennen. Klettern im Hochseilgarten, Führung durch römische Ruinen und ein Gläschen des guten Ahrrotweins sowie ein Bowlingabend zum Abschluss bereicherten den Aufenthalt der jungen Menschen, die in Prag die 12. Klasse besuchen. Mit dabei, wie schon in den letzten Jahren, die stellvertretende Schulleiterin Alte PVC-Fußböden als wertvoller Rohstoff: AgPR-Geschäftsführer Dr. Jochen Zimmermann und Vinnolit-Innovationsmanager Andreas Höhn (Foto: Vinnolit) Iva Chalupová und der Deutschlehrer Lubomir Pergler. Ludwig Volkelt erklärt: „Jedes Jahr bin ich aufs Neue beeindruckt vom großen Engagement, dem Interesse und der Leistungsbereitschaft, die jede Schülergruppe bisher unter Beweis gestellt hat. Für unsere Azubis und mich ist es immer wieder eine große Freude das Programm durchzuführen.“ Stefan Leineweber, neuer Bereichsleiter Ausbildung der Rhein-Erft Akademie, darf zum ersten Mal dieses Projekt live erleben: „Wir sind stolz, dass wir Dies hat zum Ziel, ein PVC-Rezyklat nahezu in „Neuware-Qualität“ zu gewinnen, das hohe Flexibilität im Hinblick auf neue Rezepturen und Anwendungen erlaubt. Gemeinsam mit ihren europäischen Partnern arbeitet Vinnolit in den nächsten Jahren daran, die neue Recyclingtechnologie vom Labor in den technischen Maßstab zu überführen. „Vinnolit übernimmt in ihrem modernen PVC-Technikum in Burg hausen die detaillierte anwendungstechnische Ausprüfung und Bewertung der PVC-Rezyklate, die mit dem CreaSolv ® - Prozess erzeugt wurden. Dabei wird das Potential des Rezyklats im Hinblick auf die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten ermittelt“, erläutert Unternehmenssprecher Dr. Oliver Mieden. „Auf diese Weise unterstützen wir aktiv den Übergang zur Kreislaufwirtschaft.“ https://www.ivv.fraunhofer.de/de/recycling-umwelt/creasolv.html dieses Projekt immer wieder durchführen dürfen. Internationale Begegnungen, wie Erasmus+ sie fördert, führen zu persönlichen Verbindungen. Dies halten wir gerade auch in der heutigen Zeit für sehr wichtig und fördern damit den Zusammenhalt zwischen den Menschen aus verschiedenen Kulturen.“ Auch im Jahre 2020 wird dieser Austausch wieder Umsetzung finden. Die Rhein-Erft Akademie ist akkreditiert für alle Mitgliedsstaaten der Europäischen Union als aufnehmende Gesellschaft Projekte im Rahmen von Erasmus+ durchzuführen.

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