02 „Die Rädchen greifen immer mehr ineinander!“ Pierre Kramer, Leiter Standortentwicklung im Chemiepark Knapsack, über die Ansiedlungsstrategie im Rahmen der CPK-Süderweiterung Herr Kramer, die Erweiterung des Chemieparks Knapsack durch den neuen Werksteil Hürth-Süd ist sicherlich der entscheidende Baustein auf dem Transformations-Weg hin zur Kreislaufwirtschaft. Angefangen hat aber alles bereits mit dem Ersatzbrennstoffkraftwerk (EBKW). Pierre Kramer: Richtig, denn es gibt am Ende immer etwas, was man nicht mehr recyceln kann, und das geht dann in die Verbrennung. Es ist natürlich perfekt, dass das EBKW auch hier vor Ort ist. Zumal dies eine ganze legitime Form der Energierückgewinnung ist. Damit schließt sich ein Kreislauf. Damals, 2009, hat Knapsack mit der Ansiedlung des EBKW bereits sehr weitsichtig den Einstieg in das Thema Kreislaufwirtschaft vollzogen, um Abfälle entsprechend zu nutzen. Wir waren Vorreiter unter den Chemieparks, die Berührungsängste mit „neuen“ Wertstoffen, sprich Abfällen, zu überwinden. Bereits vor 15 Jahren war die „Vision“ neuen Raum für eine Weiterentwicklung des CPK für neue Technologien zu schaffen. Dann kam das Getränkekarton-Recycling und jetzt gehen wir mit dem Kunststoff-Recycling nochmal einen deutlichen Schritt weiter. Die Rädchen greifen immer mehr ineinander. Das zeigt: Wir können Transformation! BASF VERLÄSST DEN STANDORT Im Interview: Rudolf Pölking (Mitte) und Dr. Jan Meiforth (rechts) Herr Meiforth, Sie haben seit Beginn des Jahres die Leitung bei BASF für die Produktionsstandorte in Frankfurt und Knapsack inne. Mit der Ankündigung der Schließung stehen Sie vor komplett neuen Aufgaben. Das wird vermutlich nicht einfach! Meiforth: Die Entscheidung, beide Produktionsstandorte zu verlassen, haben wir uns nicht leicht gemacht. Wir bedauern sehr, dass dieser Schritt aufgrund der wirtschaftlichen Entwicklung notwendig war. Ich kann versichern, dass es nichts mit dem hohen Engagement unserer Teams in den vergangenen Jahren zu tun hat. Herr Pölking, warum ist eine wirtschaftliche Produktion am Standort nicht mehr möglich? Pölking: Seit einigen Jahren leidet das GA-Geschäft der BASF unter hohen Energie- und Rohstoffpreisen. Hinzu kommt, dass es auf dem Markt viele neue Anbieter von günstigeren Generika gibt, insbesondere in Asien. Ein Teil der Wettbewerber produziert mit effizien teren Verfahren, wodurch sie ihre Herstellungskosten senken. Das hat zu einem erheblichen Druck auf die Mengenentwicklung und Profitabilität unseres eigenen GA-Geschäfts geführt. Diese Entwicklung hat sich insbesondere in den letzten Monaten nochmals deutlich verschärft. Was bedeutet das ganz konkret für die Anlagen in Knapsack? Meiforth: Wir planen, die Wirkstoffproduktion bis Ende 2024 einzustellen. Die Formulierungs-Produktion in Frankfurt wird bis Ende 2025 fortgeführt. Im Anschluss beginnen wir mit der Reinigung und dem Rückbau der Anlagen. Diese Nachfolgeaktivitäten werden laut unserer Schätzungen ca. zwei bis drei Jahre in Anspruch nehmen. Wir verpflichten uns, diese Aufgaben sicher Mitte Juli verkündete BASF die Umstellung des Produktionsnetzwerks von Glufosinat-Ammonium (GA) und die Schließung der Produktionsanlagen in Knapsack und Frankfurt. Dr. Jan Meiforth ist seit 1. Januar 2024 neuer Standortleiter BASF in Frankfurt und Knapsack. Rudolf Pölking hat bereits im Oktober die Aufgaben des Betriebsleiters BASF Agricultural Solutions GmbH im CPK übernommen. KNAPSACK SPIEGEL SPEZIAL sprach mit den beiden über die letzten Wochen und wie es nun am Standort in Knapsack weitergehen wird. „Mir ist besonders wichtig, gemeinsam mit unseren kompetenten Mitarbeitenden eine Perspektive zu entwickeln. Unser Ziel ist es, individuelle Lösungen zu finden, die zu der jeweiligen Lebenssituation passen. “ Dr. Jan Meiforth Wenn Sie die vergangenen Jahre noch einmal Revue passieren lassen, wie lautet Ihr Zwischenfazit für die Standortplanung? Kramer: Wir haben in dieser Zeit eine stetig positive Weiterentwicklung durch Investitionen von Standortfirmen und Neuansiedlungen erfahren. Dabei haben wir immer an die Idee einer Erweiterung geglaubt und mit Durchhaltevermögen viele Hürden überwunden. Stichworte und verantwortungsbewusst durchzuführen. Dafür erarbeiten wir einen detaillierten Rückbau-Plan, den wir mit der Arbeitnehmervertretung eng abstimmen. Herr Pölking, Sie sind als Betriebsleiter für die täglichen Aufgaben zuständig. Wird sich der Ablauf in den nächsten Monaten ändern? Pölking: Trotz der geplanten Entscheidung, die Standorte zu verlassen, wird sich unser Arbeitsalltag erst einmal nicht fundamental ändern und es bleiben zunächst alle Stellen erhalten. Sobald die Folgeaktivitäten beginnen, kann es zu Anpassungen im Arbeitsablauf kommen. Jan Meiforth hat bereits den Rückbau-Plan erwähnt. Hier zählen wir auf unser starkes Team vor Ort, um unsere Arbeit weiterhin professionell, sicher und zuverlässig fortzusetzen. Wie sieht die Zukunft Ihrer Mitarbeitenden aus? Meiforth: Wir nehmen unsere Verantwortung gegenüber unseren Mitarbeitenden sehr ernst. Deshalb ist es uns wichtig, sie bei der Vermittlung auf Positionen innerhalb der BASF-Gruppe oder Unternehmen an den beiden Standorten zu unterstützen. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat werden wir gemeinsam als verlässliche Partner gestalten, dafür haben wir ein erstes Rahmenprogramm entwickelt. sind hierbei: Das umfangreiche Bebauungsplanverfahren, der Kauf der Fläche ohne konkreten Investor, die Vermarktung und schließlich die erfolgreiche Ansiedlung. Unser Plan war und ist es, Prozessanlagen anzusiedeln, die mit nachhaltigen Produktionen den Stoffverbund erhalten und die lokale Kreislaufwirtschaft stärken. Das Ziel ist noch nicht erreicht, aber wir befinden uns auf einem großartigen Weg. „Das ist unsere Zukunft“ Dr. Klaus Mattes, Manager Knapsack Site bei LyondellBasell, über spannende neue Aufgaben vor dem Hintergrund der CPK-Süderweiterung Herr Dr. Mattes, LyondellBasell wird in Knapsack ein integriertes Recycling- und Weiterverarbeitungszentrum für Kunststoffe bauen. Sie sind hier seit dem 1. Januar 2024 neuer Standortvertreter von LyondellBasell. Warum ist dieses Projekt für Ihr Unternehmen so wichtig? Mattes: Es ist ein Meilenstein für den LyondellBasell Standort Wesseling Knapsack. Die Anlagen des neuen Recycling Hubs, die unser neuer Geschäftsbereich C & LCS hier in Knapsack baut, sollen das Ausgangsmaterial für das mechanische und chemische Recycling erzeugen. Sie werden dann unter anderem in der neuen Anlage zum chemischen Recycling, die zurzeit in Wesseling entsteht und in unseren mechanischen Recyclinganlagen hinter der Grenze, bei Maastricht, weiterverarbeitet. So wird die gesamte Region die Kreislaufwirtschaft von Kunststoffen unterstützen und Rohstoffe verarbeiten, die heute nicht recycelt, sondern meist der Verbrennung zur Energierückgewinnung zugeführt werden. Ich freue mich riesig, dass wir in Knapsack Teil dieser Transformation sein dürfen. Das ist unsere Zukunft: Weg von den fossilen Rohstoffen hin zur Kreislaufwirtschaft, indem wir Material aus dem Wertstoffkreislauf entnehmen und wieder ein neues reines Kunststoffprodukt daraus herstellen. Mit welchen Zielen sind Sie angetreten? Mattes: Ich habe zwei Schwerpunkte, die mir persönlich am Herzen liegen, und die ich hier am Standort weiterbringen möchte: Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Ich möchte, dass unsere Arbeitsabläufe automatisierter und effizienter werden. Es fängt beispielsweise damit an, dass wir eine drahtlose Netzwerkinfrastruktur in den Anlagen aufbauen, so dass in der kompletten Produktion mit digitalen Endgeräten wie Tablets und Smartphones gearbeitet werden kann. Weiterhin müssen die betrieblichen Abläufe so digitalisiert werden, dass zukünftig auf Papier und Bleistift verzichtet werden kann. Das Thema Nachhaltigkeit nimmt gerade richtig Fahrt auf. Hier stellt das Unternehmen nach meiner Meinung die Weichen in die richtige Richtung. Die komplette Petrochemie ist im Umbruch. Es gibt wirklich viele Möglichkeiten, etwas zu ändern und ich freue mich darauf, mein Ideen und Visionen einfließen zu lassen. Das ist das Spannende in den nächsten fünf bis zehn Jahren.
03 SCHWIERIGE BEDINGUNGEN ZU BEGINN DES 20. JAHRHUNDERTS Karg fallen die Ernten des 19. Jahrhunderts aus und vermögen kaum die Menschen zu ernähren; zudem verdoppelt sich von 1850 bis 1910 nahezu die Bevölkerung in Deutschland, Angst vor einer Hungersnot bestimmt die Zeit. Ernteerträge sind nicht ohne Düngung steigerbar. Organische Dünger sind rar und werden importiert (Chilesalpeter). Düngerherstellung ist die Strategie, um die Ernährung der Bevölkerung zu sichern. Gleichzeitig kommt die industrielle Revolution in Fahrt: Menschen wandern aus der Landwirtschaft ab in die Industrie. Mit Aufständen und Revolten kämpfen Arbeiter*innen um ihre soziale Existenz, die ersten Arbeitervereine und Gewerkschaften entstehen. Vor diesem Hintergrund beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts die Geschichte des Industriestandorts Knapsack. KNAPSACK MACHT KOHLE 1900 gründen sieben „Braunkohle Gerechtsame“ - so nannte man Unternehmen mit Bergrecht zum Fördern von Braunkohle - die „Vereinigte Ville“. 1901 beginnt der Tagebau und der Bau der Brikettfabrik, 1903 erfolgt die Vereinigung mit Roddergrube. 1906 wird ein Liefervertrag mit der Deutschen Carbid AG geschlossen: Knapsack fördert über 400.000 Tonnen Braunkohle pro Jahr. Ende 1907 entsteht die erste Kalkstickstoff- und Karbidproduktion in Knapsack. Die hier oberflächennahe Braunkohle - zum Teil nur fünf bis sechs Meter tief im Erdboden - ist ein Trumpf für den Standort Knapsack in Konkurrenz zu einer Versuchsanlage in Westeregeln in Sachsen-Anhalt. KARBID AUS KNAPSACK FÜHRT 1909 wird die Deutsche Carbid AG Frankfurt. a. M. überführt in die Aktien-Gesellschaft für Stickstoffdünger in Knapsack. Bez. Cöln a. Rh. Westeregeln wird geschlossen. Der vormalige Versuchsleiter von Westeregeln, Dr. Constantin Krauß, übernimmt 1910 die Geschäftsführung in Knapsack. Der Standort prosperiert und entwickelt zukunftsweisende technische Verbesserungen: 1911/12 wird die Karbidproduktion in Knapsack mehr als verdoppelt. ERSTER WELTKRIEG - „HOECHSTE ZEIT“ FÜR RÜSTUNGSRELEVANTEN AUSBAU Auf staatliche Anordnung soll die Anlagenkapazität zur Produktion von Ammoniumhydroxid innerhalb eines Jahres um das Fünffache erweitert werden. Ammoniumhydroxid, allgemein bezeichnet als Ammoniakwasser oder Salmiakgeist, ist ein Vorprodukt für Sprengstoff. Der vom Staat dazu gewährte Kredit von 15 Millionen Goldmark muss von zwei Bürgen abgesichert werden. Dies übernehmen die Metallgesellschaft Frankfurt am Main und die Farbwerke vormals Meister, Lucius & Brüning AG. Aus den Farbwerken MLB AG entsteht später die Hoechst AG. Das 1912 erworbene neue Verwaltungsgebäude AUS UND WEITER? - MIT CHEMIE! Ende des Ersten Weltkriegs ist die AG für Stickstoffdünger hochverschuldet. Was die Zukunft betrifft, bestehen unvereinbare strategische Differenzen zwischen der Metallgesellschaft und den Farbwerken MLB: Die Metallgesellschaft will in die Metallurgie investieren, die Farbwerke MLB AG in Chemie. 1920 übernimmt die Farbwerke MLB AG alle Aktienanteile der Metallgesellschaft. Sie investiert sowohl in Organische Chemie als auch in Karbid und dessen Folgeprodukte. Auf Basis des aus Karbid gewonnenen Acetylens steigt die Farbwerke MLB AG in die Organische Produktion in Knapsack ein. Sie errichtet Anlagen zur Produktion von Acetylen, Acetaldehyd, Essigsäure, Essigsäureanhydrid und Aceton. 1920ER JAHRE - ARBEITER AUF ZUNDER KNAPSACKS WECHSELHAFTE GESCHICHTE Von der Braunkohle und Düngerproduktion über Phosphor bis zur Petrochemie Unruhen, Aufstände und Streiks gehören in den Anfängen der 1920er Jahre zur Tagesordnung. Der Betriebsstandort Knapsack verlegt seine Verwaltung aus Sicherheitsgründen von Knapsack nach Köln - aus Angst vor aufgebrachten Arbeitern, die möglicherweise die Verwaltung stürmen könnten. 1925/26 sind Jahre des allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs. Die kritische und kämpferische Haltung der Belegschaft trägt in den guten Jahren Früchte: Viele firmeninterne Sozialleistungen entstehen, u. a. die Beamten- und Arbeiterunterstützungskasse, Sterbekasse, Pensionskasse für Angestellte, Stiftung für Genesungskuren erkrankter Arbeiterfrauen. Die Werksbelegschaft wird am Unternehmensgewinn beteiligt, Arbeiter erhalten eine Werkszulage als Altersversorgung. Doch der New Yorker Börsencrash im Oktober 1929 läutet die Weltwirtschaftskrise ein. KNAPSACK IN TRÜMMERN Die Jahre ab 1936 stehen in Knapsack und deutschlandweit im Zeichen des wirtschaftlichen Aufschwungs. Unternehmen etablieren betriebsinterne Einrichtungen wie eine Sportabteilung, einen Ein Arbeiter am Trockenvergaser im Acetylenbetrieb eigenen Sportplatz, eine Werksbücherei und Werkszeitschrift sowie Jubilarfeiern. Dann folgt von 1939 bis 1945 der 2. Weltkrieg und kurz vor dessen Ende zerstört am 24. Oktober 1944 ein Luftangriff der Alliierten mit zirka 138 Sprengbomben 80 Prozent des Chemiestandortes Knapsack. Es folgen sechs Jahre des Aufbaus unter US-amerikanischer Besatzung. 1951 läuft die Produktion wieder auf allen Gebieten. 8.000 MANN, EIN ZUSAMMEN- SCHLUSS Im Oktober 1951 strukturiert sich die IG Farbenindustrie neu, unter anderem durch den Zusammenschluss der AG für Stickstoffdünger Knapsack, Griesheim-Autogen Frankfurt am Main mit den Nordwestdeutschen Sauerstoffwerken Düsseldorf, den Süddeutschen Sauerstoffwerken Stuttgart und den Tegawerken zur Knapsack-Griesheim Aktiengesellschaft. 1959 umfasst diese Neuordnung rund 8.000 Mitarbeitende; 100-prozentiger Eigentümer ist die Farbwerke MLB AG. PROSPER DURCH PHOSPHOR Ebenfalls noch im Jahr 1951 genehmigen die Westalliierten den Bau eines Phosphor-Ofens mit einer Leistung von zehn Megawatt: Das ist der Start der erfolgreichen Phosphorchemie in Knapsack und Basis des Knapsacker Wirtschaftswunders. Neben elementarem Phosphor und Phosphorsäure ist hauptsächlich das daraus produzierte Natriumtripolyphosphat das Wundermittel: Als Grundstoff der Waschmittelindustrie generiert es hohe Wertschöpfung. Aber auch viele weitere innovativen Folgeprodukte wie Flammschutzmittel, Öladditive auf Phosphorbasis, welche bis heute in Knapsack hergestellt werden, stärken die hohe Wirtschaftskraft des Standortes. Durch den Einzug der Petrochemie in den 1960er Jahren entstehen weitere Kunststoffproduktionen wie Polyethylen- und Polypropylen-Produktionsanlagen. MIT HÜRTH KOMMT DIE CHLORCHEMIE 1960 kauft die Farbwerke MLB AG den ausgekohlten Braunkohletagebau „Hürtherberg“, Voraussetzung für die Erschließung des Werksteils Hürth. Die Betriebsfläche wächst von bisher 60 Hektar auf 160 Hektar. 1962 geht als erste Produktion in Hürth die Chlorelektrolyse mit den Produkten Chlor, Natronlauge und Wasserstoff an den Start und bildet damit die Basis für den Ausbau der erfolgreichen Chlorchemie mit Ethylendirektchlorierung, Oxichlorierung, Vinylchlorid und Polyvinylchlorid. Außerdem gewährleistet sie die Versorgung der wichtigen Monochloressigsäureanlage. HOECHST VORAN MIT PFLANZENSCHUTZMITTELN Im Zuge der Umbenennung der Farbwerke Hoechst in Hoechst AG 1974 wird die Knapsack AG zur Hoechst AG Werk Knapsack. Ende der 1970er Jahre entsteht die erste Produktionsanlage für Pflanzenschutzmittel, gefolgt von den Pflanzschutzmittel-Anlagen 2 und 3 in den 1980er Jahren. Ihre Kapazitäten werden in den Folgejahren erhöht. Um die Produktionsmenge der Pflanzenschutzmittel-Anlagen zu vervielfachen, werden die Produktionsanlagen 4 und 5 gebaut. HALLO PETRO - TSCHÜSS KARBID UND PHOSPHOR! Der Einzug der Petrochemie übt einen enormen Konkurrenzdruck auf die Karbidproduktion und deren Nachfolgeprodukte aus. Zusätzlich belastet die 1981 erlassene Phosphathöchstmengen-Verordnung die Phosphorproduktion. Im Juni 1990 wird der letzte Karbid-Ofen und 1992 der letzte Phosphor-Ofen abgestellt. Dies trifft rund 1.500 Mitarbeitende am Standort. Dieser Personalabbau erfolgt größtmöglich sozialverträglich, also überwiegend durch Frühpensionierungen. DER „CLUB“ SCHLIESST - KNAPSACK BLEIBT Zu den gravierendsten Veränderungen des Standortes Knapsack zählt die Auflösung der Hoechst AG Mitte der 1990er Jahre: Der „geschlossene Chemiestandort“ entwickelt sich zum erfolgreichen offenen Chemiepark. Neue Ansiedlungen und Produktionsanlagen stärken den Standort, mit dem sich Mitarbeitende weiterhin identifizieren. Markante Beispiele sind die beiden hochmodernen Gas- und Dampfturbinen Kraftwerke sowie das Ersatzbrennstoff-Kraftwerk mit der Produktion von „grünem“ Dampf und Strom. Die Erweiterung und Modernisierung der kompletten Chlorchemie von der Elektrolyse bis hin zum PVC ist fundamental für den Stoffverbund. Neue Produkte und Unternehmen ersetzen frühere Produktionen und tragen zur Weiterentwicklung des Standortes bei. Akt mit Symbolcharakter: 1998 wird das Firmenlogo des Hoechst-Konzerns demontiert
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